Tatsächlich scheint der Wasserzweckverband Hallertau unbeirrt auf seinem Kurs der Fehlentscheidungen zu bleiben – und bekommt nun die Folgen immer deutlicher zu spüren. Der Anfang dieser Entwicklung liegt aus unserer Sicht im Jahr 2020/2021. Damals entschied man sich, die geplanten Sanierungsmaßnahmen in Höhe von ursprünglich 17 Millionen Euro unbedingt über Verbesserungsbeiträge zu finanzieren – und keinesfalls über den Wasserpreis.
Diese Grundsatzentscheidung führte zu massiven Verzögerungen für die Datenerhebung der Grundstück- und Geschossflächen und die Erstellung einer Verbesserungsbeitragssatzung, die nun für März 2026 angekündigt ist. Geplant war sie ursprünglich für Ende 2024. Eineinhalb Jahre Verspätung.
Die Gesamtkosten der Sanierungen kletterten inzwischen von 17 auf zunächst 35 Millionen Euro. Doch auch diese Summe dürfte, so wie sich die Dinge entwickeln, längst nicht mehr reichen.
Zusätzlich hat man es sich 2021 mit den Wassergästen verscherzt, als ihnen kurzerhand ein neuer Vertrag vorgelegt wurde - ohne Preisverhandlung und ohne unabhängigen Gutachter, wie es zuvor offenbar üblich war. Ein Ende des daraus entstandenen Rechtsstreits mit dem größten Abnehmer, der Baumgartner Gruppe, ist bis heute nicht absehbar. Diese soll laut Verbandsvorsitzendem rund 5 Millionen Euro an Verbesserungsbeiträgen für das erste Sanierungspaket tragen. Für die Gesamtmaßnahmen bis 2035 könnten es – angesichts der weit über dem Baupreisindex steigenden Kosten – schließlich 15 Millionen Euro oder mehr werden.
Gleichzeitig räumte der Verbandsvorsitzende des Hallertauer Zweckverbands unlängst ein, dass die Baumgartner Gruppe für rund 10 Millionen Euro eine eigene Wasserversorgung errichten und damit unabhängig werden könnte. Man braucht keinen besonderen Sachverstand, um zu verstehen, welche Überlegungen dort nun stattfinden.
Dabei hätte alles so viel einfacher und günstiger sein können: die Sanierungen vollständig über den Wasserpreis finanzieren, die historischen Niedrigzinsen von 2020/21 unter 1% nutzen und sofort mit den Arbeiten beginnen. 17 Millionen statt 35 Millionen. Doch vorausschauendes Handeln scheint beim Zweckverband nicht oberste Priorität zu haben – als Monopolist glaubt man offenbar jederzeit und zu jedem Preis auf das Vermögen der Kunden zugreifen zu können.
Dr. Ralf Schramm / Walkertshofen